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CANTIGAS DE SANTA MARIA
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Referència: AV9923

The Cantigas de Santa Maria («Canticles of Holy Mary») are 420 poems with musical notation, written during the reign of Alfonso X The Wise (1221–1284) and often attributed to him. It is one of the largest collections of monophonic songs from the Middle Ages and is characterized by the mention of the Virgin Mary in every song.

The reissue in remastered multichannel sound of this 1993 landmark recording enables us to hear Jordi Savall and his ensembles at their best. Instrumental and vocal pieces alternate and paint a vivid picture of a repertoire, that contributed much to the birth of Western music.

Zusätzliche Informationen
Intèrprets

La Capella Reial de CatalunyaHespèrion XXJordi Savall, dirección

Track List

1. Introducción (CSM 176) 1’38
2. Santa Maria, strela do dia (CSM 100) 2’57
3. Pero cantigas de loor (CSM 400) 3’49
4. Instrumental (CSM 123) 3’41
5. Muito faz grand’erro (CSM 209) 12’25
6. Por nos de dulta tirar (CSM 18) 8’07
7. Instrumental (CSM 142) 4’13
8. Pode por Santa Maria (CSM 163) 5’08
9. Miragres fremosos faz por nos (CSM 37) 4’15
10. Instrumental (CSM 77-119) 4’08
11. De toda chaga ben pode guarir (CSM 126) 10’05
12. Pero que seja a gente (CSM 181) 6’19
13. O ffondo do mar tan chão (CSM383) 8’36
14. Conclusión (CSM 176) 2’52

Beschreibung

ALFONS X., DER WEISE

Cantigas de Santa Maria

 

Als Gesetzgeber und Auftraggeber juristischer Werke trat Alfons X. in die Fußstapfen seines Vaters. Er vollendete die von diesem geplanten und begonnenen Projekte, so dass man mit großer Wahrscheinlichkeit annehmen kann, dass Ferdinand III., genannt der Heilige, ihm auch auf dem Gebiet der Dichtung als anregendes Vorbild gedient hat. Wie sein Sohn in dem enzyklopädischen Werk Setenario berichtet und wie wir auch aus anderen Quellen wissen, war König Ferdinand ein großer Mäzen der Spielleute, die an seinem kastilischen Hof ein- und ausgingen. Auch seine tiefe Marienverehrung – ein bedeutender Umstand – wird in drei der von Alfons verfassten Cantigas (122, 221 und 292) erwähnt.

 

 

Entstehung und Verbreitung der Marienverehrung

 

Den in verschiedenen koptischen und ägyptischen Schriftrollen des 3. Jahrhunderts überlieferten Quellen zufolge bildeten sich die Anfänge der öffentliche Marienverehrung zunächst in der Ostkirche heraus. Dies bestätigen auch die Texte des heiligen Ephraim von Syrien († 373) und des heiligen Epiphanios von Salamis († 403), Verfasser der Precationes ad Deiparam und der ersten volkstümlichen liturgischen Gesänge. Auf dem dritten Ökumenischen Konzil in Ephesos (431) wurde Maria offiziell der Titel „Gottesgebärerin“ verliehen, also bezeichnenderweise in der Stadt, wo der berühmte Tempel der Artemis steht (Göttin der Jagd, der Wälder, der Berge und des Mondes und den ältesten Überlieferungen zufolge Zwillingsschwester des Apoll). Damals galt Ephesos als die zweitwichtigste Stadt im Römischen Reich (unter dem Namen Selçuk gehört es heute zur Türkei und liegt in der Provinz Izmir, in der Nähe der Küstenstadt Kuşadası). Die Verbreitung dieses Dogmas kann als Auftakt der in Ost und West um sich greifenden Marienverehrung angesehen werden. Papst Sixtus III. (432-440) ließ der Jungfrau zu Ehren und zum ewigen Andenken die Liberius-Basilika in Rom wiederaufbauen. Heute ist die Kirche bekannt als Basilika Santa Maria Maggiore. Hier fassten schnell und mit großem Glanz die Riten der marianischen Liturgie Fuß, wie die noch heute am 1. Januar (In Circumcisione Domini) gesungenen Antiphone O admirabile commercium, Quando natus es ineffabiliter ex Virgine und Ecce Maria genuit Salvatorem bezeugen. Ursprünglich wurden sie von den Gemeinden der Ostkirche gesungen und erst später ins Lateinische übersetzt, um so ein Teil der römisch katholischen Liturgie zu werden.

 

Nach dem 5. Jahrhundert vermehrten sich die der Jungfrau Maria geweihten Kirchen in Gallien, Niedergermanien und auf der Iberischen Halbinsel. Die iberische Kirche, die durch Prudentius († nach 405) begonnen hatte, das Salve sancta Parens zu singen, und die schon im frühen 7. Jahrhundert dafür gesorgt hatte, die zutiefst marianischen Werke des heiligen Ephraims (der Syrer) ins Lateinische zu übersetzen, hat ebenfalls gegen Ende des 7. oder Anfang des 8. Jahrhunderts  in Tarragona von dem Orationale eine Kopie angefertigt, eine Sammlung von vierunddreißig herrlichen der heiligen Maria gewidmeten Gebeten (Higini Anglès, La música de las Cantigas de Santa María, 1958).

 

Seit Mitte des 5. Jahrhunderts verbreitete sich die zur Verehrung der heiligen Maria verfasste poetisch-musikalische Dichtung in lateinischer Sprache in der ganzen christlichen Welt. Dabei muss man berücksichtigen, dass ab dem 6. Jahrhundert bereits viele der sakralen Dichter lateinischer Sprache namentlich bekannt waren, während in der archaischen Periode die Verfasser zahlreiche Werke anonym geblieben waren. Hier sei an die wichtigsten Namen derer, die schon vor Alfons dem Weisen ihr dichterisches Talent dem Lobpreis der Jungfrau widmeten, erinnert: Magnus Felix Ennodius († 521), Venantius Fortunatus (vor 610), der heilige Beda Venerabilis († 735), Paulus Diaconus († 799), Paulinus von Aquileia († 802), Walahfrid Strabo († 849), der Bischof Fulbert von Chartres († 1028), Hermann von Reichenau († 1081), der heilige Anselm von Canterbury († 1109), Petrus Abaelardus († 1142), die heilige Hildegard von Bingen († 1171), Jean de Garlande († nach 1252), Adam de Baseia († 1286) und andere. Viele von ihnen sind ruhmreich in die Musikgeschichte eingegangen.

 

Die im 12. und 13. Jahrhundert einen großen Aufschwung erlebende Marienverehrung brachte nicht nur die bereits erwähnten lateinischen Kompositionen hervor, sondern auch eine volkstümlichere Lyrik, auf die das Aufblühen der Marienlieder in provenzalischer Sprache zurückgeht. Dazu gehört die Sammlung der Cantigas de Santa Maria unseres Troubadour-Königs. Im 12. und 13. Jahrhundert wächst die Zahl solcher Werke allerorts dank der Gründung und Verbreitung neuer religiöser Orden, die nachdrücklich für die Marienverehrung eintreten: die Zisterzienser mit dem heiligen Bernhard, dem sogenannten citharista Mariæ an der Spitze; die Augustiner, die Dominikaner, die Franziskaner, die Karmeliten und die Serviten. Sie alle sind bemüht, sich in der Kunst der Marienverehrung musikalisch zu übertreffen. Unter allen erhaltenen Liedersammlungen stellen allerdings die 420 Cantigas de Santa Maria von Alfons X. (dem Weisen) Higini Anglès zufolge „die bedeutendste Sammlung mittelalterlicher Lieddichtung in ganz Europa dar“. Zweifellos handelt es sich um den umfangreichsten marianischen Liedzyklus des Mittelalters. 356 der Cantigas erzählen von Wundern der Jungfrau Maria, die restlichen, mit Ausnahme einer Einführung und zweier Prologe, sind Loblieder, de loor, oder beziehen sich auf Marien- und Christusfeste. Alle, mit Ausnahme der Einleitung, haben eine musikalische Begleitung. Die Verfasser der Texte erweisen sich als virtuose Kenner einer Vielfalt metrischer Formen, worauf Jesús Martín Galán in seinem in dieses Booklet aufgenommenen Kommentar hinweist. Die metrische Variationsbreite ist außergewöhnlich, besonders in den 64 nicht narrativen Cantigas, wo man 53 verschiedene Kombinationen beobachten kann.

 

König Alfons X.

Sein Hof und die Cantigas de Santa Maria

 

Alfons X. wurde am 22. September 1221 in Toledo als erster Sohn Ferdinands III. von Kastilien und dessen Frau Beatrix von Schwaben geboren. Auch wenn wir nicht viel über seine musikalische Ausbildung wissen, so ist doch bezeugt, dass er sich in seiner Jugend gern mit Musikern und Dichtern umgab und mit den Troubadouren und Spielleuten am Hof seines Vaters in Wettstreit trat. In diesem Umfeld lernte er die okzitanischen Lieder und die galicisch-portugiesische Lyrik schätzen. Dank der Verbindung zum französischen Königshaus wurde er auch mit dem monodischen Gesang auf Lateinisch und Provenzalisch und den Liedern der Minnesänger bekannt. In der königlichen Kapelle seines Vaters lernte er den kirchlichen Gesang kennen und am Hof die Liedgattung der Lais, Virolais und Rondeaux sowie die musikalischen Formen der provenzalischen Troubadoure und der französischen Troveurs.

 

Nach seiner Krönung zum König von Kastilien und León tat Alfons X. sich besonders durch seine Fähigkeit hervor, die orientalische Kultur zu assimilieren, die bereits in der Hauptstadt des Königreichs ansässig geworden war. Die von ihm gegründete „Übersetzerschule von Toledo“ versammelte eine hervorragende Gruppe von christlichen, jüdischen und muslimischen Gelehrten, die durch die Wiederentdeckung und Übersetzung antiker Schriften in Sprachen der westlichen Welt eine beachtliche wissenschaftliche Leistung vollbrachten und so das Fundament der Renaissance der Wissenschaften im mittelalterliche Europa legten. In der bis zu einem gewissen Grad vom Monarchen selbst geplanten und geleiteten enormen wissenschaftlichen und literarischen Produktion nimmt die Sammlung der Cantigas de Santa Maria als sein bedeutendstes und persönlichstes Werk einen besonderen Stellenwert ein. Das Konvolut, dessen beiden Hauptmanuskripte mit reichen Miniaturen verziert sind, hat den Monarchen lange Jahre seines Lebens hindurch bis in den Tod begleitet. Der Forscher Walter Mettmann führt einen Beleg für die Zuneigung des Königs zu diesem Werk an: „Als er in Vitoria sterbenskrank darniederlag und keine ärztliche Kunst ihm Linderung verschaffen konnte, befahl er, dass man ihm statt warmer Umschläge ,O livro das cantigas de Santa Maria‘ auf den Leib lege, durch dessen Wunderwirkung er wieder gesund wurde.“ (Cantiga 209, Nr. 5 der CD). Wenige Wochen vor seinem Tod verfügte Alfonso in einem zweiten Testament, „dass alle Bücher mit den Cantares de loor de Santa Maria in der Kirche aufbewahrt werden, wo auch unser Körper begraben sein wird.“

 

Die hier in einem neuen CD der Reihe ALIA VOX Heritage wiederaufgelegten Cantigas repräsentieren eine Auswahl der 1993 mit Montserrat Figueras, La Capella Reial de Catalunya und den Musikern des Ensembles Hespèrion XX vorbereiteten und eingespielten Aufnahme. Hinzu kommt die Cantiga O ffondo do mar tan chão (CSM383), die 2008 aufgenommen wurde.

 

JORDI SAVALL

Florenz, 19. Mai 2017

 

Übersetzung: Claudia Kalász