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EL NUEVO MUNDO. Folías Criollas
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Reference: AVSA9876

  • Montserrat Figueras
  • TEMBEMBE ENSAMBLE CONTINUO
  • LA CAPELLA REIAL DE CATALUNYA
  • HESPÈRION XXI
  • Jordi Savall

So wie die von Miguel de Cervantes als „diese mulattenhafte Indianerin“ beschriebene Chaconne (Die vornehme Küchenmagd) behielt die meiste Musik, die sich ab der „Entdeckung“ und Eroberung der Neuen Welt entwickelte, diese außergewöhnliche Mischung aus spanischen und kreolischen Elementen unter dem Einfluss indigener und afrikanischer Traditionen bei. Als Fortsetzung des ersten Vorhabens Kreolische Villancicos und Tänze: Vom alten Iberien zur Neuen Welt wurde diese neue Auswahl „kreolischer Sones und Folías“ zum Singen und Tanzen unter Mitwirkung von Montserrat Figueras und der unverzichtbaren Mitarbeiter von La Capella Reial de Catalunya und Hespèrion XXI sowie weiterer Gastmusiker aus Argentinien, Kolumbien, Venezuela und Mexiko wie dem Tembembe Ensamble Continuo vorgenommen.

Beschreibung

„Sie singt wie eine Lerche, tanzt, springt im Reigen wie der Gedanke so flüchtig und tanzt jeden Kunstreigen wie besessen.“
Miguel de Cervantes, Don Quijote (2. Buch, 48. Kapitel)

„Gutes Leben, gutes Leben,
diese Alte ist die Chaconne.
Von Indien bis Sevilla
kam sie des Ruhmes halber.“

Lope de Vega, Der dankbare Liebhaber (2. Akt)

So wie die von Miguel de Cervantes als „diese mulattenhafte Indianerin“ beschriebene Chaconne (Die vornehme Küchenmagd) behielt die meiste Musik, die sich ab der „Entdeckung“ und Eroberung der Neuen Welt entwickelte, diese außergewöhnliche Mischung aus spanischen und kreolischen Elementen unter dem Einfluss indigener und afrikanischer Traditionen bei. Als Fortsetzung des ersten Vorhabens Kreolische Villancicos und Tänze: Vom alten Iberien zur Neuen Welt wurde diese neue Auswahl „kreolischer Sones und Folías“ zum Singen und Tanzen unter Mitwirkung von Montserrat Figueras und der unverzichtbaren Mitarbeiter von La Capella Reial de Catalunya und Hespèrion XXI sowie weiterer Gastmusiker aus Argentinien, Kolumbien, Venezuela und Mexiko wie dem Tembembe Ensamble Continuo vorgenommen.

Letzteres Ensemble entdeckten wir Ende 2007 während der Vorbereitung und Besprechung der Musik für den Film „El Baile de San Juan“ mit dem Regisseur Francisco Athié. Dessen Spielweise gefiel uns, so dass wir einige Monate später, als wir zum Cervantes-Festival mit einem Projekt in Zusammenarbeit zwischen Katalonien und Mexiko eingeladen wurden, ein gemeinsames Programm über Sones und Tänze des Wegs zur Neuen Welt vorschlugen. Das Vorhaben wurde in Guanajuato (18. Oktober 2008), Barcelona (7. Januar 2009) und Fontfroide (1. August 2009) vorgestellt, wo schließlich der Großteil der Einspielung stattfand, die dann in der Stiftskirche in Cardona im Januar 2010 fertiggestellt wurde.

Beim Zuhören dieser Sones und kreolischen Folías mit ihrer großen Vielfalt an Rhythmen und Melodien, alten Volksinstrumenten, althergebrachten Liedern und neuen Texten kommen Gefühle und Erinnerungen auf, die denen sehr ähnlich sind, die etwa beim erstmaligen Besuch einer historischen Stadt in Lateinamerika auftreten: das überwältigende Gefühl, sich auf eine Zeitreise zu begeben, ohne die Gegenwart zu verlassen. Der Spaziergang durch die Gassen eines kleinen Dorfes etwa hundert Kilometer von Bogota entfernt (im Herbst 1970) war so überraschend wie die Entdeckung eines Ortes und einer Gesellschaft, wo das Ambiente eines andalusischen Dorfes aus dem frühen 16. Jahrhundert originalgetreu erhalten geblieben war.

Schließlich darf nicht außer Acht gelassen werden, wie Antonio García de León Griego in seinem eingehenden Werk „El Mar de los Encuentros“ (Das Meer der Begegnungen) erklärt, dass gerade aus Andalusien eine komplexe Gesellschaft aus Seeleuten und Soldaten, Adligen und Geistlichen, Musikern und Kaufleuten, Abenteurern und afrikanischen Sklaven sowie aller Art Menschen auf der Suche nach schnellem, einfachem Reichtum über die Kanarischen Inseln die Neue Welt erreichte, was zu einer großen kulturellen, insbesondere aber sprachlichen Mischung mit der Übernahme einheimischer Elemente führte, die sich in der Musik und den Sprachen widerspiegelte, die im Zuge der späteren Eroberung des gesamten Kontinents verwendet wurden. In dem Maße, in dem die Eroberer in diese völlig unbekannte „Neue Welt“ eindrangen, übernahmen sie zahllose lokale Einflüsse in ihre Musik wie auch ursprüngliche Bezeichnungen aus den einheimischen Sprachen für ihren eigenen Sprachgebrauch, insbesondere von ureigenen Gegenständen, Tieren, Pflanzen, Ritualen und Bräuchen aus der Neuen Welt. Die Konsolidierung der Eroberung dieses riesigen Gebietes erfolgte auf der Grundlage der intensiven Ausbeutung und allgemeinen Versklavung, wodurch ein wahres Paradies auf Erden in der karibischen Inselwelt mitsamt ihren uralten Sprachen und Kulturen zerstört wurde, die auf dem gesamten Kontinent bis zur Ankunft von Christoph Kolumbus anzutreffen waren. Bereits ein halbes Jahrhundert nach der „Entdeckung“ waren fast alle Sprachen der Karibikinseln – Arawak-, Tupi-Guarani- und Chibcha-Sprachen – gemeinsam mit ihrer Urbevölkerung ausgestorben. Wie im Fall der Musik enstanden aus den wenigen Überlebenden durch den Kontakt zur Sprache, Musik und Tradition der Eroberer Kreolensprachen.

Dieses Vorhaben, das einen Beitrag zur Wiederbelebung und Verbreitung der Erinnerung an diese – häufig in Gebieten fernab der Großstädte – seit Menschengedenken gewahrte Musik leisten möchte, ist auch eine aufrichtige Anerkennung aller fast immer anonymen Männer und Frauen, die mit ihrer Gefühlskraft, musikalischem Können und Kommunikationsfähigkeit zur Erhaltung dieser Musik bis in die heutige Zeit entscheidend beigetragen haben. Die Sones und kreolischen Folías dieser Neuen Welt weisen den Weg zu einem faszinierenden Dialog zwischen einerseits diesen „überlebenden“ Musikformen aus den mündlichen Traditionen aus Los Llanos und La Huasteca und dem anonymen volksmusikalischen Repertoire der Mestizen, das von der Nahuatl-, Quechua- und afrikanischen Kultur beeinflusst wurde, sowie andererseits der in historischen alt- und neuspanischen Manuskripten und Druckschriften aus der Renaissance und dem Barock erhaltenen Musik. Durch die Improvisations- und Ausdruckskraft, die Strenge und Fantasie aller Musiker aus der alten und neuen Welt, die an die Macht der Musik glauben und diese durch ihre Schönheit, Gefühlskraft und Spiritualität als eine der sinngebenden Sprachformen der Menschheit pflegen und verwenden, bleiben dieser Dialog stets aktuell.

JORDI SAVALL
San Francisco, 17. März 2010
Übersetzung: Gilbert Bofill i Ball