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  • FRANCISCO JAVIER – The Route to the Orient
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FRANCISCO JAVIER – The Route to the Orient
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Reference: AVSA9856

  • Hespèrion XXI
  • La Capella Reial de Catalunya
  • Jordi Savall

Seit mehreren Jahren sind wir schon von der außerordentlichen Geschichte des Franz Xaver fasziniert. So begann im Frühling 1996 der Gedanke zur Absolvierung dieses Programms im Zuge der Einladung zum Festival von St. Florent le Vieil Form zu nehmen, wo wir ein Konzert mit spanischer und japanischer Musik aus der Zeit von Franz Xavers Ankunft in Japan aufführten. Das Programm trug den Titel „1549 – RITUALE & PROPHEZEIUNGEN: Japan und Spanien zur Zeit des Heiligen Franz Xaver“.

Beschreibung

„Die Welt ist ein Buch.
Wer nie reist, sieht
nur eine Seite davon.“
Augustinus von Hippo (5. Jh.)

Seit mehreren Jahren sind wir schon von der außerordentlichen Geschichte des Franz Xaver fasziniert. So begann im Frühling 1996 der Gedanke zur Absolvierung dieses Programms im Zuge der Einladung zum Festival von St. Florent le Vieil Form zu nehmen, wo wir ein Konzert mit spanischer und japanischer Musik aus der Zeit von Franz Xavers Ankunft in Japan aufführten. Das Programm trug den Titel „1549 – RITUALE & PROPHEZEIUNGEN: Japan und Spanien zur Zeit des Heiligen Franz Xaver“. Es wurde am 10. Juli 1996 in der Abtei St. Florent unter Beteiligung von Montserrat Figueras, den Solosängern von La Capella Reial de Catalunya und den Mitgliedern von HESPÈRION XX aufgeführt, unterstützt von den japanischen Musikern Yumiko Kaneko, Ichiro Seki und Masako Hirao. Das selbe Programm wurde Monate später in Tochigi, Kyoto, Yamaguchi und Tokio vorgeführt. Zehn Jahre später trafen die meisten dieser spanischen und japanischen Sänger und Musiker wieder zusammen, um den 400. Geburtstag Franz Xavers zu begehen, worauf auch einige Konzerte aufgeführt und die Einspielung dieses neuen, faszinierenden CD-Buchs vorbereitet wurde.

Die Feierlichkeiten zum Jahrestag von Franz Xavers Ankunft in Japan sowie zu seinem Todestag waren der unmittelbare Anlass zur Aufnahme dieses Projekts. Doch der Grundgedanke, der die Entwicklung und den Inhalt dieses Programms prägt, entsprang der Bewunderung gegenüber dem unglaublichen Werdegang, vor allem aber der spirituellen und menschlichen Größe des Franz Xaver. Es ist die überwältigende Reise eines Mannes, der seinen Glauben bis zur letzten Konsequenz auslebte und alle Grundregeln der neu gegründeten Gesellschaft Jesu streng praktizierte: Armut, Liebe, Verzicht und Aufopferung für die bescheidensten Kasten und alle Besitzlosen – ein wahrhaftiger Apostel seines Glaubens, der in knapp zwölf Jahren trotz der unzulänglichen Mittel seiner Zeit fast 100.000 Kilometer zurücklegte, indem er sich durch die schlichte Kraft seiner Überzeugungen tragen ließ und sich mutig den größten Gefahren aussetzte. So gründete er neue christliche Gemeinschaften, indem er sich der Macht und dem Eifer der japanischen Bonzen entgegen setzte.

Franz Xaver ging 1549 in Begleitung portugiesischer Missionare in Kagoschima an Land. Auf dem Weg zur Insel Hirado, wo sich eine westliche Gemeinschaft etabliert hatte, pflegte er während des Marsches religiöse Psalmen zu singen, und die einheimische Bevölkerung war so sehr davon fasziniert, dass sie in großer Zahl von weitem kam, um die hohen jesuitischen Würdenträger vorbei ziehen zu sehen. Die erste Veröffentlichung des Manuale ad Sacramenta mit neunzehn dieser religiösen Gesänge (darunter auch Gloriosa Domina) erfolgte aber erst 1605 durch einen japanischen Verleger in Nagasaki. Dieses Datum bestimmt auch den Beginn der Verbreitung der westlichen Musik in Japan. Allerdings war diese nur kurzlebig, denn 1613 wurde das Christentum in Japan verboten, und das Manuale ad Sacramenta blieb einzig und allein durch den fortdauernden Brauch in einigen christlichen Gemeinschaften, die sich auf den Inseln in der Nähe von Nagasaki im Untergrund hielten, unter dem Namen Gebet bis heute erhalten.

Die siebenundvierzig Lebensjahre Franz Xavers fielen zudem in eine historisch bedeutsame Zeit für die westliche Zivilisation, insbesondere für die christliche Religion. Dieses halbe Jahrhundert wurde durch entscheidende Umbrüche gekennzeichnet: die Etablierung der Renaissance, der Aufstieg des Humanismus, die Kirchenspaltung durch die Reformation und die Reaktion durch die Gegenreformation, im Zuge dessen der Jesuitenorden gegründet wurde. In diesem Zeitraum erschienen auch neuartige literarische und philosophische Werke, die sich sehr kritisch zum Umgang und den Machthabenden der damaligen politischen und religiösen Institutionen äußerten. Zu diesen Werken zählen Erasmus’ Lob der Torheit, das er seinem Freund Thomas Morus widmete, der wiederum Utopia, einen außergewöhnlichen Text über eine ideale Welt verfasste; erwähnenswert sind auch Martin Luthers 95 Thesen und Machiavellis Der Fürst. Gleichzeitig setzte sich Franz Xaver auf seiner Reise nach Osten mit den bedeutendsten Religionen des Orients auseinander: Islam, Buddhismus, Hinduismus, Konfuzianismus und Nestorianismus. Daher war es auch unsere Absicht, Ausschnitte aus vielen dieser Texte und Glaubensrichtungen zu präsentieren, die dieses außerordentliche halbe Jahrhundert prägten. Dazu haben wir unter der Leitung des Forschers und Dichters Manuel Forcano die bedeutendsten Schriften herangezogen.

Elias Canetti zufolge „ist die Musik die wahre lebende Geschichte der Menschheit, und man schließt sich ihr ohne Widerstand an, denn ihre Sprache kommt vom Gefühl, und ohne sie würden wir nur tote Parzellen besitzen.“ (Die Provinz des Menschen, Aufzeichnungen 1942-1972, Carl Hanser Verlag, München-Wien 1973) All diese faszinierenden Texte und Geschichten wären ohne die entsprechende Musik leblos. Die Zusammenfassung in 160 Minuten Musik (dem verfügbaren Platz auf zwei CDs) der grundlegenden Lebensetappen des Franz Xaver bei gleichzeitiger Annäherung an die wichtigsten Augenblicke der Geschichte der Neuzeit ist eine Aufgabe, die nur über die bedeutendsten Musikstücke unter jenen zu meistern ist, die nach unserer Meinung und Vorstellung die Leitfiguren dieser Zeit gehört und geschätzt haben dürften. Dabei handelt es sich nicht um deskriptive Stücke, sondern um höfische Musik aus Navarra, Spanien, Paris und Italien sowie kirchliche und weltliche Werke, die über historische Ereignisse (Navarra, Pavia, Wittenberg) berichten. Sie bieten auch einen Einblick in den Geist und das Ambiente am Hof (Heinrich VIII.), in der Stadt (Venedig, Paris, Rom, Goa) und in den Ländern (Trommeln und Oud aus Afrika, Sarod und Tablas aus Indien, Biwa und Gesang aus Japan, Flöten). Durch die üppige Reichhaltigkeit der Gesangbücher des spanischen goldenen Zeitalters und aus Portugal, die zu Franz Xavers Lebzeit verfasst wurden, konnten wir kirchliche Werke von Joanes Ponce, Juan del Encina, Cristóbal de Morales sowie anonymer Autoren auf Spanisch, Latein und Portugiesisch finden, die Franz Xavers tiefe Mystik und Spiritualität treffend darstellen und ihr entsprechen.

„Die Welt ist ein Buch. Wer nie reist, sieht nur eine Seite davon“, sagte einst Augustinus von Hippo. Franz Xaver war ein großer Apostel, aber auch ein Leser der Welt. Sein Wunsch war zu kennen, und dazu begab er sich entschieden und ohne Furcht auf den Weg nach Orient, zog gegen Osten – Ex Oriente Lux, das Licht kommt vom Orient. Sein Weg war eine lange Reise, die ihn zunächst nach Afrika führte, und von dort nach Indien und weiter nach Fernost, zuerst ins geheimnisvolle Japan, dann bis vor das unzugängliche China. Die Kraft, die ihn vorantrieb, sowie die Entschiedenheit, mit der er unweigerlich seine Ziele verfolgte, waren seine Grundsätze, sein Glaube, die Bereitschaft zu lernen und zu lehren. Nichts entmutigte ihn: „Wenn ich kein Boot finde“, sagte er einmal, „so soll ich schwimmend dorthin gelangen.“ Überall, wo Franz Xaver ankam, erlernte er die Sprache der Einheimischen, um sich mit ihnen zu verständigen, lachen und singen – um sie zu sein.

Die Gebiete im Orient, die er besuchte, waren zunächst die portugiesischen Kolonien an der ostafrikanischen Küste, in Indien, auf Ceylon und den Inseln Indonesiens. Dort erlebte er die Übergriffe der Kolonisierung, die Ungerechtigkeit des Meisters, der seine Sklaven ausbeutet und erniedrigt, all das Leid, das die Besitzlosen ertragen müssen. Und er zögerte nicht, dies anzuprangern und dem Abhilfe zu schaffen, indem er sich, wenn notwendig, auch den Behörden widersetzte, um die Würde und die Rechte der Einheimischen zu wahren: „Die Inder haben die selben Gefühle wie wir.“ Unermüdlich und standhaft in seinem Vorhaben, ließ er sich von keiner Hürde oder Schwierigkeit aufhalten. Angetrieben von seinem Wunsch, das Wort Jesu in die verschlossensten Länder des Orients zu bringen, stieß er bis nach Japan vor und versuchte, China heimlich zu betreten, das den Fremden den Zutritt strengstens untersagte. Seine Reisen hatten zum Ziel, den Trost eines Glaubens zu spenden, der zum Seelenheil führte. Seine Anwesenheit und seine Worte an diesen fernen Orten und fremden Kulturen vermochten es, Tausende Menschen aus allen Gesellschaftsschichten zu überzeugen. Er wagte es, Könige an die Worte Jesu zu erinnern, die Ignatius von Loyola so oft zitierte und er vollends übernahm: „Wozu soll der Mensch die Welt besitzen, wenn er seine Seele verliert?“ Noch heute wird dort seiner gedacht und er als „Eroberer der Seelen“ verehrt. Dort wurde er zum Heiligen.

Mit diesem CD-Buch, das seine Lebensgeschichte – vom alten Europa bis ins Land der aufgehenden Sonne –, Auszüge aus seinen Briefen, die bedeutsamsten Texte seiner Zeit sowie Musikwerke aus jener Epoche und der heute noch lebendigen Musikkulturen vorstellt, denen er auf seinem Weg nach Orient begegnete, möchten auch wir ihn aus tiefstem Herzen ehren. Wenn die Welt ein Buch ist, so hat Franz Xaver es von A bis Z gelesen.

JORDI SAVALL
Genf, im Herbst 2007