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  • JOSÉ MARÍN Tonos Humanos
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JOSÉ MARÍN Tonos Humanos
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Reference: AVSA9802

  • Montserrat Figueras

Im siebzehnten Jarhhundert sang man auf der Iberischen Halbinsel eine Vielfalt verschiedener Tänze und tanzte auch zu vielen Romancen und Volksliedern . Die spanischen Schriftsteller -von Juan del Enzina über Michel de Cervantes und Lope de Vega bis Calderón de la Barca- haben uns ihre Loas, Entremeses, Komödien und Tänze hinterlassen, ein wunderbares Repertoire „rico de villancicos, de coplas, seguidillas y zarabandas“ („reich an Volksliedern, Reimen, Volkstänzen und Sarabanden“), in denen man sich „das Herz aus dem Leibe tanzte“ („hasta molerse el alma“ – La Entretenida) und wo man „cantaba con tal donaire“ („so anmutig sang“ – La Gitanilla) „que suspendían los sentidos y los ánimos de cuantos los escuchaban“ („dass den Zuhörern die Sinne schwanden“ – Persiles y Segismunda). Der grosse Dichter Miguel de Cervantes erklärt uns in der „Gitanilla“ wie di Preciosa tanzte und sang zum Rhythmus des Tamburins und der Kastagnetten „por ser la danza cantada“ („denn der Tanz war gesungen“), und wie sie sich dabei selbst begleitete mit „unas sonajas, al son de las cuales dando en redondo largas y ligerísimas vueltas cantó un romance” (“mit gewissen Trommelschellen, zu deren Ton sie leichtfüssig im Kreise herumwirbelte und einen Romance sang”).

Beschreibung

Im siebzehnten Jarhhundert sang man auf der Iberischen Halbinsel eine Vielfalt verschiedener Tänze und tanzte auch zu vielen Romancen und Volksliedern . Die spanischen Schriftsteller -von Juan del Enzina über Michel de Cervantes und Lope de Vega bis Calderón de la Barca- haben uns ihre Loas, Entremeses, Komödien und Tänze hinterlassen, ein wunderbares Repertoire „rico de villancicos, de coplas, seguidillas y zarabandas“ („reich an Volksliedern, Reimen, Volkstänzen und Sarabanden“), in denen man sich „das Herz aus dem Leibe tanzte“ („hasta molerse el alma“ – La Entretenida) und wo man „cantaba con tal donaire“ („so anmutig sang“ – La Gitanilla) „que suspendían los sentidos y los ánimos de cuantos los escuchaban“ („dass den Zuhörern die Sinne schwanden“ – Persiles y Segismunda). Der grosse Dichter Miguel de Cervantes erklärt uns in der „Gitanilla“ wie di Preciosa tanzte und sang zum Rhythmus des Tamburins und der Kastagnetten „por ser la danza cantada“ („denn der Tanz war gesungen“), und wie sie sich dabei selbst begleitete mit „unas sonajas, al son de las cuales dando en redondo largas y ligerísimas vueltas cantó un romance” (“mit gewissen Trommelschellen, zu deren Ton sie leichtfüssig im Kreise herumwirbelte und einen Romance sang”).

Der historische und soziale Kontext dieser Epoche ermöglichte das Zusammenkommen vieler verschiedener volkstümlicher und höfischer Einflüsse, die sich in der täglichen Ausübung der Musik widerspiegelten, und so werden all die vielen verschiedenen Arten, Qualitäten und Formen des Singens offenbar. Cervantes selbst beschreibt uns, wie Feliciana de la Voz „soltó la voz a los vientos y cantó“ (“ihre Stimme im Winde erschallen liess und sang”), so schön, “que suspendió los sentidos”, (“dass einem dabei die Sinne schwanden” – Persiles y Segismunda), oder auch, wie Escalante Seguidillas sang „con voz sutil y quebradiza“ (“mit zarter und zerbrechlicher Stimme” – Rinconete y Cortadillo). So gibt auch Lope de Vega in “El Viaje del alma” diesen Rat: „tañe, canta, come y bebe, salta y corre, danza y baila“ (“spiel, sing, iss und trink, hüpf und spring, tanz und dreh dich”), und Lucas Fernández sagt in einer Komödie „Aballemos, que cantando nos iremos; ¿qué cantar quieres cantar? uno que sea de bailar“ (“Lasst uns gehen, wir wollen dabei singen; was für ein Lied? eines zu dem man tanzen kann”). Zitieren wir schliesslich nochmals Cervantes in “El Quijote de la Mancha”, als er Altisidora sagen lässt: „no quería que mi canto descubriese mi corazón…“ (“ich wollte nicht, dass mein Gesang meine Gefühle verriet”), während er in “La Entretenida” ein Lob singt auf „la barbera que canta por el cielo y baila por la tierra“ (“die Barbierin, die im Himmel singt und auf Erden tanzt”).

Die poetische und musikalische Kraft der früheren Jahrhunderte setzte sich auf allen Ebenen fort, auch auf den populärsten, denn die literarischen Zeugnisse belegen, dass die Sänger des siebzehnten Jarhunderts die alten Volkslieder und Romances kannten (z.B. Gaiferos y Melisanda, Durandarte, Conde Claros, Dos Ánades, Madre la mi madre, Tres morillas, usw. ), und dass sie auch die Technik der Improvisation und der Verzierungen haziendo garganta (in der Kehle) hannten, wie sie durch das ganze sechzehnte Jahrhundert im Repertoire für Stimme und Laute verwendet wurden (Milán, Narváez, Mudarra, usw.). Dies alles trug zur Entwicklung und Festigung eines echten musikalischen Schatzes von außerordentlicher Kraft und Schönheit bei.

Der größte Teil der Tonos Humanos von José Marín, die wir für diese Sammlung ausgewählt haben, wurde komponiert nach Passacalles, Canarios, Españoletas, Jácaras, Paradetas und Sarabanden, und immer gelingt es Marín, dass der Gesang inspiriert wird vom dichterischen Text, ohne dabei die Lebhaftigkeit des Tanzes einzubüssen. Die improvisierten Glossen und galanten Verzierungen, die extempore sowohl von der Singstimme ausgeführt werden als auch von den deschlagenen Saiten der Gitarre und der Harfe, oder von den zarten Schlägen der Tamburins und der Kastagnetten, bringen uns einen privilegierten Moment der iberischen Musik nährer, wo der Geist der Alten sich mit den neueren Einflüssen vermischte, die im Schosse einer multiraßialen Kultur entstanden und immer aus der Seele ihrer Völker hervorgegangen war.

Montserrat Figueras
Bellaterra, Januar 1998