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LA LIRA D’ESPÉRIA II GALICIA
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Referència: AVSA9907

  • Jordi Savall
  • Pedro Estevan
  • David Mayoral

Im Jahr 1994 haben wir die erste der mittelalterlichen Musik für Streichinstrumente gewidmete CD La Lira d’Espéria aufgenommen. Vorausgegangen waren mehrjährige Nachforschungen, eine Fase des Experimentierens und Konzerte. Schon damals habe ich zur Interpretation der Stücke meine drei historischen Instrumente eingesetzt: die Rebec, die Tenor-Fidel und die Rebab (die arabische Rubella), dazu die unerlässliche Perkussion von Pedro Estevan. Der Titel wollte die Musik und die Hauptinstrumente mit dem evozierenden Bild der alten Namen Lyra und Hesperien verbinden. Wir fanden das passend zur Instrumentierung sowie zum mittelalterlichen Repertoire aus den verschiedenen Kulturen – der christlichen, der jüdischen und der arabisch-andalusischen – die zur damaligen Zeit im iberischen und italienischen Raum verbreitet waren.

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Beschreibung

Im Jahr 1994 haben wir die erste der mittelalterlichen Musik für Streichinstrumente gewidmete CD La Lira d’Espéria aufgenommen. Vorausgegangen waren mehrjährige Nachforschungen, eine Fase des Experimentierens und Konzerte. Schon damals habe ich zur Interpretation der Stücke meine drei historischen Instrumente eingesetzt: die Rebec, die Tenor-Fidel und die Rebab (die arabische Rubella), dazu die unerlässliche Perkussion von Pedro Estevan. Der Titel wollte die Musik und die Hauptinstrumente mit dem evozierenden Bild der alten Namen Lyra und Hesperien verbinden. Wir fanden das passend zur Instrumentierung sowie zum mittelalterlichen Repertoire aus den verschiedenen Kulturen – der christlichen, der jüdischen und der arabisch-andalusischen – die zur damaligen Zeit im iberischen und italienischen Raum verbreitet waren.

Der Name Hesperien bezeichnete im griechischen Altertum die zwei westlichsten Halbinseln des Mittelmeers, die italienische und die iberische. In den äußersten westlichen Breitengraden sollten sich, Diodor zufolge, auch die sagenhaften Gärten der Hesperiden (oder Atlantis) befinden, in denen goldenen Äpfel mit magischen Kräften (Orangen?) wuchsen.

Die Lyra war eins der ersten in der hellenischen Mythologie beschriebenen Musikinstrumente. Sie ist neben der Kithara bei Vergil (70 – 19 v. Chr.) das meisterwähnte Instrument. Der griechischen Überlieferung zufolge soll Apollon der Erfinder der Lyra sein, während Orpheus die Erfindung der Kithara zugeschrieben wird. Im Altertum gab es zwei Arten von Lyra: Die erste, in der Antike am meisten verbreitete, glich einer kleinen Harfe und ihre Seiten wurden gezupft; die zweite, modernere wurde mit einem Bogen gestrichen und glich mehr der aktuellen griechischen Lyra.

Tatsächlich hat man auf dem Gebiet des iberischen Hesperiens die ersten Spuren von solchen Streichinstrumenten gefunden. Nach einer recht wahrscheinlichen Hypothese scheint die Streichtechnik mit dem Bogen im 8. Jahrhundert eingeführt worden zu sein. Sie wurde dann ganz allmählich in Europa entwickelt, vor allem dank der Präsenz der aus den arabisch-islamischen Ländern des Orients stammenden Musiker. Denken wir nur an das hohe Niveau der arabischen und byzantinischen Kultur zwischen dem 8. und dem 10. Jahrhundert und die Bedeutung des oft in Verbindung mit Konflikten zwischen Orient und Okzident angestoßenen künstlerischen Austauschs. Es überrascht nicht, dass die ersten Darstellungen eines Streichinstruments seit dem 10. Jahrhundert in Europa in den mozarabischen Handschriften des spanischen Mönchs Beatus von Liébana (920 -930) sowie in verschiedenen katalanischen Handschriften wie etwa der Bibel der Klosterkirche Santa Maria de Ripoll auftauchen.

Schließlich erschien die Fidel, Vièle (auf Französisch), Viola d’Arc (auf Katalanisch), Vihuela de Arco (auf Spanisch), Fiddle (auf Englisch), das bevorzugte Instrument der Troubadoure und Spielleute , aber auch der Adligen, die die sich nicht nur durch ihre ritterliche Geschicklichkeit im Kampf bewiesen, sondern auch ganz besonderen Wert auf die Kunst des Fidelspiels legten. Dies kann man vielen Texten der Zeit entnehmen. Aber auch die Abbildung auf dem Siegel von Bertrand II., Graf von Forcalquier (Provence), spricht für sich. Das Siegel zeigt im Jahr 1168 in der einen Hälfte den bewaffneten Grafen zu Pferde, in der anderen sieht man ihn mit der Fidel. Deshalb sprach man im Altfranzösischen von den adligen joglere, zur Unterscheidung von den professionellen jongleurs, denn sie übten ihre Tätigkeit zum reinen Vergnügen aus, nicht um Geld zu verdienen. In dem Sinn war ihr Spiel exercitia liberalia, frei von anderen Zwecken. Die Fidel wird, neben der Harfe, das höfische Musikinstrument der Ritter schlechthin.

Wenn wir die bildlichen Darstellungen betrachten und uns die Form der Instrumente, die Art des Bogens und der Saiten ansehen, dann ist offensichtlich, dass das Klangideal jener Zeit stark von unserem heutigen abwich. Nur der Klang und die Technik bestimmter aktueller in der Volksmusik verwendeter Streichinstrumente, die noch in Griechenland (Kreta), Mazedonien, Marokko, Indien usw. gespielt werden, können uns eine annähernde Vorstellung davon vermitteln. Der Klang der Tanz- und Volksmusik war archaisch, manchmal ganz rudimentär, dünn und schnurrend, aber lebendig und ausdrucksstark; im musikalischen Vortrag der höfischen Dichtung war der Klang modulationsreicher und raffinierter. Schon der Erzpriester von Hita bemerkte dies gegen 1330 in seinem Libro de buen amor [Buch der guten Liebe]:

La vihuela de arco fas dulces devailadas,
Adormiendo a las vezes muy alto a las vegadas,
Bozes dulces, sabrosas, claras e bien punteadas,
A las gentes alegra, todas las tiene pagadas.

(Die Fidel erklingt in sanften Kadenzen,
Manchmal leise ermattend, dann wieder laut jubelnd,
Sanfte, volle Stimmen, klar und trefflich im Ton,
So erfreut sie die Menschen und stellt alle zufrieden.)
JORDI SAVALL
Normandie, 25. August 2014

Übersetzung: Claudia Kalász