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  • LA CAPELLA REIAL DE CATALUNYA
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  • Jordi Savall
  • Der Mythos von Orpheus gehört zu den dunkelsten und symbolträchtigsten der gesamten griechischen Mythologie. Uralter Herkunft, hat er im Lauf seiner Entwicklung einen geradezu theologischen Status erlangt, um den herum eine umfassende Literatur von oft esoterischem Charakter entstanden ist. Orpheus ist der „Sänger“ schlechthin, der Musiker, der Dichter. Hinreißend spielte er die Lyra und die Kithara, deren Erfindung ihm zugeschrieben wird. Man sagte von ihm, dass er so sanfte Töne singen und anschlagen konnte, dass die wilden Tiere ihm folgten, die Bäume und Pflanzen sich ihm zuneigten und die grausamsten Männer friedfertig wurden.

Beschreibung

Der Mythos von Orpheus gehört zu den dunkelsten und symbolträchtigsten der gesamten griechischen Mythologie. Uralter Herkunft, hat er im Lauf seiner Entwicklung einen geradezu theologischen Status erlangt, um den herum eine umfassende Literatur von oft esoterischem Charakter entstanden ist. Orpheus ist der „Sänger“ schlechthin, der Musiker, der Dichter. Hinreißend spielte er die Lyra und die Kithara, deren Erfindung ihm zugeschrieben wird. Man sagte von ihm, dass er so sanfte Töne singen und anschlagen konnte, dass die wilden Tiere ihm folgten, die Bäume und Pflanzen sich ihm zuneigten und die grausamsten Männer friedfertig wurden.

Im IV. Buch der Georgica von Vergil (70-19 v. Chr.) findet sich die reichste und vollständigste Version des Orpheus-Mythos: die Erzählung, wie er aus Liebe zu seiner Frau Eurydike, die auf der Flucht vor dem sie verfolgenden Aristaios an einem Schlangenbiss starb, in den Hades herabstieg. Mit seinem Lyraspiel und seinem Gesang bezauberte er nicht nur die Geister der Unterwelt, sondern auch ihre Götter. Die Dichter übertreffen sich gegenseitig an Vorstellungskraft, um die Wirkung dieser göttlichen Musik zu beschreiben. Endlich erhörten die Götter des Hades Orpheus‘ Bitten, unter der Bedingung, dass er mit Eurydike ans Tageslicht steige, ohne sich nach ihr umzusehen, bevor er das Totenreich verlassen hat. Kurz vor dem Ende des Wegs beschlich Orpheus eine schreckliche Angst: „Und wenn man ihn betrogen hatte? Ging Eurydike wirklich hinter ihm?“ Er drehte sich um und Eurydike starb zum zweiten Mal. Orpheus kehrte zurück um sie zu suchen, doch diesmal war Charon nicht zu erweichen. Orpheus musste untröstlich allein unter den Menschen bleiben.

Von allen Versuchen, den Mythos musikalisch darzustellen, ist das von Claudio Monteverdi vertonte Gedicht des Alessandro Striggio, La Favola d'Orfeo, die gelungenste und vollständigste Version, dank einer außerordentlichen musikalischen Konzeption und einer sorgfältig ausgearbeiteten Partitur. Das Werk wurde am 24. Februar 1607 am Hof von Mantua uraufgeführt. Monteverdis Orfeo erreicht eine in der ganzen Geschichte der Oper nur selten erlangte Vollkommenheit. Nach ersten Versuchen an einem ähnlichen Thema, wie die Euridice von Jacopo Peri und Giulio Caccini mit einem Libretto von Ottavio Rinuccini (Florenz 1600), setzte Monteverdi mit seiner ersten Oper den Markstein zur wahren Verbreitung des stile rappresentativo. Er war der erste Komponist, für den der Ausdruck der Gefühle, „che muovono grandemente l’animo nostro“, und die Darstellung der Leidenschaften absoluten Vorrang hatten. Wenn er also feststellt, dass „der moderne Komponist seine Werke auf die Wahrheit gründen muss“, definiert er ein radikales, revolutionäres Konzept, das endgültig das Verhältnis von Text und Musik verändern wird. Sein Werk bestätigt ihn als eines der ersten, so seltenen, vielseitigen Genies, die in der Lage sind, die verschiedensten Stile miteinander zu verbinden. Gewiss ist Monteverdi ein Komponist des Barock, aber seine Musik enthält bereits wesentliche Eigenschaften späterer Ideale. Ein vielsagender Text von Harry Halbreich charakterisiert den Musiker meisterlich:

„Was macht einen Romantiker aus? Ein Romantiker ist ein Künstler, der dem Ausdruck den Vorrang gibt, vor der Konstruktion und der Suche nach neuen Formen. Es ist ein Künstler, der vor allem die Gefühle und Leidenschaften seiner Figuren vermitteln möchte und sie durch das Prisma seiner eigenen Persönlichkeit sieht: Genau das ist Monteverdi.

Was macht einen Klassiker aus? Ein Klassiker ist ein Künstler, der nie die reine Schönheit, das Gleichgewicht und die Harmonie der Proportionen aufgeben würde. Es ist ein Künstler, der neue Formen und neue Ausdrucksmittel schafft, die kommenden Generationen als Modell dienen: Genau das ist Monteverdi.

Was macht einen Impressionisten aus? Ein Impressionist ist ein Künstler, der der Materie, der Farbe und der Harmonie einen eigenen, autonomen Wert zumisst und davon überzeugt ist, dass die Sinne genauso befriedigt werden müssen wie der Geist oder das Herz: Genau das ist Monteverdi.

Was macht einen modernen Künstler aus? Ein Künstler ist modern, der, seinem Jahrhundert leidenschaftlich verbunden, es stetig voranbringt, indem er Wege zur Eroberung der eigenen Sensibilität und Ausdrucksfähigkeit erschließt. Es ist ein ewig junger Künstler: All das ist Monteverdi, ein Musiker, der immer unser Zeitgenosse sein wird.“

L’Orfeo (mehr als 400 Jahre nach seiner Entstehung) und die beiden anderen von Monteverdi erhaltenen Opern erweisen sich als lebendige Werke, die fähig sind, uns im tiefsten Innern zu bewegen. Das bezeugen ihr zunehmender weltweiter Erfolg und das ständig wachsende Interesse, das ihnen entgegengebracht wird. Dieser Orfeo erlaubt uns, die Macht der Musik in einer ihrer konzentriertesten und reinsten Formen kennenzulernen.

JORDI SAVALL
Übersetzung: Claudia Kalász