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  • TOBIAS HUME Musical Humors, London 1605
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TOBIAS HUME Musical Humors, London 1605
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Reference: AV9837

  • Jordi Savall

Vor nun beinahe vierzig Jahren, gegen Ende des heissen Sommers 1964, entdeckte ich die faszinierenden Musicall Humors von Tobias Hume. Ich hatte kurz zuvor mein Musik- und Violoncellostudium am Konservatorium Barcelona beendet und damit begonnen, mir selbst die Kunst der Beherrschung der Viola da Gamba beizubringen, einem damals äusserst seltenen Instrument, das nur von wenigen, weltweit verstreuten Pionieren und begeisterten Liebhabern der Musik gespielt wurde.

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Beschreibung

Vor nun beinahe vierzig Jahren, gegen Ende des heissen Sommers 1964, entdeckte ich die faszinierenden Musicall Humors von Tobias Hume. Ich hatte kurz zuvor mein Musik- und Violoncellostudium am Konservatorium Barcelona beendet und damit begonnen, mir selbst die Kunst der Beherrschung der Viola da Gamba beizubringen, einem damals äusserst seltenen Instrument, das nur von wenigen, weltweit verstreuten Pionieren und begeisterten Liebhabern der Musik gespielt wurde.

Nach der von Diego Ortiz (Rom, 1553) verfassten Abhandlung Trattado de Glosas, dem ersten veröffentlichten Werk, das sich vor allem mit der Kunst der Improvisation (für Viola da Gamba und Begleitung) befasste, war The First Part of Ayres, einschliesslich der Musicall Humors von Tobias Hume (1605 in London gedruckt), die erste historische Ausgabe von für Solo-Bassviola komponierten Werken. Mit über einhundert für dieses Instrument verfassten Stücken wurde es zu einer einzigartigen und bedeutenden Quelle für ein besseres Verständnis des Bassviola-Repertoires und dessen historischer Entwicklung.

Eifrig suchte ich nach Möglichkeiten, diese Sammlungen, mit faszinierenden Titeln und seltsamen Notendiagrammen (tablatures), näher kennen zu lernen. Diese Chance bot sich mir wenige Monate später in London, in der beeindruckenden Stille des Lesesaals der British Library. Begeistert und aufgewühlt stellte ich mir in diesen erwürdigen Räumen vor, wie Loves Farewell, Death & Life sowie die verschiedenen Souldiers March, Galliards und Resolutions wohl klingen würden und versuchte, den Schlüssel zum Zugang zu diesen alten Noten- und Aufzeichnungscodes zu finden.

Wenige Monate später sass ich über den jüngst entwickelten Mikrofilm gebeugt und begann, die verschiedenen “Humors” von Captain Hume zu analysieren. Jeder Tag brachte neue Entdeckungen bezüglich des verborgenen Reichtums einer unendlichen Vielfalt an Nuancen und Stimmungen, welche die Viola da Gamba im Dienste der Poesie und musikalischer Gefühle zu schaffen fähig war. Es war eine musikalische Welt voller Phantasie und voller Gefühle, in welcher der Bogen über die Saiten geführt oder col legno gespielt werden konnte; gelegentlich wurden die Saiten gezupft, manchmal angespannt; mal sang das Instrument, mal tanzte es, ging über von tiefer Melancholie zu martialischem Spott, wie in den im Programm angeführten Stücken (einschliesslich beschreibendem Text: A Souldiers Resolution)…

Ich bin überzeugt davon, dass die ausdrucksvolle Vielfalt und die kreative Dimension der Musik eines Komponisten sich ausserhalb der Beschränkungen oder vorübergehender Alltagsumstände entwickeln. Das trifft auch auf “Captain Tobias Hume” zu, dessen Musik uns weiterhin in Bann schlägt, trotz des Bombasts, der Exzentrizität und des militärischen Überschwangs, die ihn als Person charakterisieren.

Wir dürfen dabei auch nicht vergessen, dass in der damaligen Zeit die Kunst der Improvisation und die technisch vollkommene Beherrschung des Instruments genauso wichtig waren, wie die Kunst der Komposition als solche. Das erklärt, warum uns, beinahe 400 Jahre nach ihrem Entstehen, die Frische und Spontaneität dieser Stücke sofort mit Begeisterung erfüllt: Stücke die sehr wahrscheinlich auf halbem Weg zwischen Improvisation und Komposition entstanden sind.

Mit seinen Musicall Humors, sei “die Dreifaltigkeit der Musik, Mehrstimmigkeit (Sangen), Leidenschaft (Expression) und Variation (Improvisation), ebenso elegant zu vereinigen sei…”, hat uns Tobias Hume eines der frühesten und vielfältigsten Zeugnisse eines faszinierenden Schaffungsprozesses hinterlassen: ein Instrument, das sich zu einem tragenden Element des vornehmsten und zutiefst bewegenden Ausdrucks menschlicher Gefühle weiter entwickelte.

JORDI SAVALL
Prag, 28. Mai 2004

Übersetzung: Wolfgang J. Wegscheider

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